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Alain Bauer
verlässt den Grand Orient von Frankreich
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Presse-Notiz
in "Le Monde" vom 04. 09. 2005
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Der
ehemalige Großmeister des Grand Orient von Frankreich (2000-2003),
der Kriminologe Alain Bauer, hat seine Demission anlässlich der Hauptversammlung
der bedeutendsten Freimaurer-Obedienz angekündigt - auf
dem "Konvent" -, der unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfindet
und der am Donnerstag, dem 1. September, in Paris eröffnet worden
ist.
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In
einem Brief, der am Freitag, dem 2. September, veröffentlicht worden
ist, ruft er auf zur "Revolte der Logen" gegen Obedienzen, die sich in
"einem Streit von Personen, Clans und strukturellen Widersprüchen
erschöpfen, welche bedrückend sind". Am Samstag, dem 3.
September, muss der Nachfolger von Gérard Papalardo ernannt werden,
der nach der Demission von Bernard Brandmeyer - er war auf
dem letzten Konvent gewählt worden - seit dem 1.April
das Amt kommissarisch verwaltete.
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Herr
Papalardo wünschte sich der Wahl durch den Ordensrat vorzustellen
(ein Verwaltungsrat, der sich aus 35 Mitgliedern zusammensetzt, die vom
Konvent gewählt wurden). Aber es haben sich auch andere Kandidaten
vorgestellt: Daniel Morfouace, Jean-Michel Quillardet und der aktuelle
"Großsekretär", Hugues Leforestier.
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Einige
beabsichtigten, um die Krise zu lösen, den Großmeister nach
dem "allgemeinen Wahlrecht" durch die 1.200 Delegierten des Konvents wählen
zu lassen ...
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[Le
Monde] |
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Warum ich
aus dem Grand Orient ausgetreten bin
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Persönliche
Erklärung, "Le Monde", 06.September 2005
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Dieses
Jahr feiert der Grand Orient de France einen Geburtstag. Er gedenkt einer
Phase seiner Geschichte, die er deutlich markiert hat : nicht der Hundertjahrfeier
bezüglich des Gesetzes der Trennung von Kirchen und Staat, seines
großen Beitrags zur Laizität, sondern der zehnten Wiederkehr
seines verhängnisvollen Konvents von 1995.
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Zum
ersten Mal in ihrer Geschichte neben Perioden von Konflikten oder Beschuldigungen
schuf die Hauptversammlung es nicht, sich zu einigen, sondern sie schickte
den gesamten Ordensrat zurück, damit er sich an der Basis zu erneuere.
Hier wird eine sorgfältigen Wiederaufbauarbeit nötig sein, die
von Jacques Lafouge, Philippe Guglielmi und zum Teil von mir selbst erbracht
worden ist, um der ältesten und bedeutendsten französischen Freimaurer-Obedienz
wieder zu Stabilität zu verhelfen.
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Während
solche Kämpfe von Clans und von Apparatschiks die Freimaurer-Landschaft
in Frankreich verwüsten, arbeiten die Logen weiterhin unerschütterlich
mit großer Effektivität und führen einen Dialog mit der
Gesellschaft. Aber seit Ende 2003 scheinen der Kommunikationskreislauf
gestört und die Wortführer der Freimaurerei zerstritten : Nach
den gemeinsamen Erfolgen der französischen Freimaurerei, jenem beachtlichen
Anstoß, der die Arbeit der Logen sichtbar machte, indem sie den Weg
in die Gesetzgebung fand, welches sich begünstigend auswirkte auf
die Freiheit der Forschung in der Bioethik oder auf das Recht, in Würde
zu sterben, ist das System, welches die Logen dahinsiechen lässt,
wieder an die Oberfläche gekommen.
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Neben
den Querelen von Männern über die Größe und Farbe
von Ordensbändern - jenem Wahn, der manchmal einige Überlebende
der unglücklichen politischen oder sozialen Erfahrungsprozesse erschüttert
- werden Tausende von engagierten, ehrlichen und ernsthaften Männern
wie Frauen, Brüdern wie Schwestern oftmals in eine Art Geiselhaft
genommen, wenn sie sich an die Erforschung einer illusionären Macht
heranwagen.
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Diese
[„Macht“] vergisst, dass die Freimaurerei Gläubige und Ungläubige
empfängt, dass sie persönliche, geistige und symbolische Forschung
und ein soziales Engagement und Bürger in einem Cocktail erlauben
muss, der jedem angepasst sein sollte, so dass sie alle nicht in einem
Würfel eingeschlossen werden, der sich in der Tiefe von Katakomben
verklemmt. |
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Freimaurerei
war vor allem immer ein Kampf für individuelle und politische Freiheit
: Pressefreiheit, Meinungsfreiheit, Versammlungsfreiheit, Vereinigungsfreiheit,
allgemeines Wahlrecht, Abschaffung von Leibeigenschaft, Frauenwahlrecht,
Laizität. Der Grand Orient war Kirche und Partei der Republik und
wurde die Kaderschmiede der egalitären Bürgergesellschaft. „Franc-Maçonnerie“
[Freimaurerei] reimt sich auf „Demokratie“.
Aber
die Krise der angelsächsischen Freimaurerei, welche hinsichtlich ihres
personellen Bestands rasch abnimmt, scheint sich in den wenigen dynamischen
Ländern (Frankreich, Belgien, Island) mit einer Krise des Inhalts
zu verbinden, was nicht ignoriert werden kann, wenn man in den kommenden
Jahren nicht dasselbe Verhaltensphänomen erleben will. |
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Frankreich
ist reich durch seinen Pluralismus an Strömungen, durch die Vielzahl
seiner Obedienzen, durch den Reichtum seines Kulturguts, durch die Stärke
seiner weiblichen und gemischten Freimaurerei. Aber die erfreuliche Gesundheit
hinsichtlich ihres personellen Bestands, der zunehmend auch sensibel wurde
für den Schritt ins neue Millennium, kann die fehlende Ordnung im
gemeinsamen Auftreten und den Mangel an Präsenz in den großen
Debatten der Gesellschaft nicht maskieren.
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Gewiss,
zahlreiche Freimaurer handeln, um die Gesellschaft voranzutreiben. Aber
immer weniger ist es möglich, zusammen zu intervenieren. Wie kann
man in seiner Loge glücklich sein, wenn man in seiner Obedienz unglücklich
ist?
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Im
Laufe von fünfundzwanzig Jahren habe ich mit Hilfe zahlreicher Brüder
und Schwestern versucht, den Grand Orient von Frankreich und die Freimaurerei
zu entwickeln.
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Einige
isolierte Erfolge können nicht ausreichen, um die Trägheit, die
Paralyse, das Zögern am Wandel der Realität zu ignorieren.
Aus all dem habe ich auf dem Konvent die Konsequenz gezogen, der seit Donnerstag
[1.September 2005] in Paris abgehalten wurde, indem ich aus dem Grand Orient
von Frankreich ausgetreten bin. Ich wünsche, dass diese Entscheidung
ein Signal ist, damit die Logen von nun an von ihrem Eigentumsrecht an
ihren Obedienzen Gebrauch machen, indem sie sich schließlich von
den Querelen der Personen, der Clans und von den Strukturkonflikten befreien,
von welchen sie bedrückt worden waren.
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Während
die Akazie, ein Symbol der Erneuerung in der freimaurerischen Mythologie,
verwelkt zu sein scheint, bleibt sie doch die einzige Möglichkeit,
um sie wieder aufleben zu lassen : den Logen die Möglichkeit zu geben,
die notwendige Renovierung einzuleiten.
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Manchmal
kann man die Farben der Abenddämmerung mit dem Glanz der Morgenröte
vermischen : Es ist höchste Zeit, den Morgen zu beginnen und den Mittag
einzuläuten - die Zeit der Arbeit.
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Alain
Bauer |
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