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Giuseppe Mazzini
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Die Verbrüderung der Völker
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(Bern 1832)

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Als Gott die Erde in den unendlichen Raum sandte, rief er dem Menschen, der sie belebte, ein Wort zu: "Gehe ! Du bist zu Großem berufen:
Ich habe dich nach meinem Ebenbild erschaffen; aber du wirst mich nicht von Angesicht zu Angesicht schauen, bevor du nicht im Vollbesitz deiner Fähigkeiten, im freien Gebrauch deiner auf ein hehres Ziel gerichteten Kraft vor mich treten kannst; gehe, ich habe dir eine weite Laufbahn des Fortschrittes eröffnet; aber du kannst sie nicht allein durchlaufen; verbrüdere dich in einem großen Gedanken der sittlichen Entwicklung mit allen Geschöpfen, in denen du mein Ebenbild erblickst. Der Weg ist dir mit Hindernissen besät: aber gehe! Der Sieg ist mit dir, weil ich dir die Macht der Vereinigung gegeben habe [...]."

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"ICH habe dich nach MEINEM  EBENBILD erschaffen."
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Dann ging sie [die Menschheit] auf die Suche nach einem Lande, das dem Gedanken ein weiteres Feld, der Bewegung größeren Spielraum eröffnen könne.
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Dieses Land ist Europa.
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Europa ist der Hebel der Welt. Europa ist das Land der Freiheit. Ihm gehören die Geschicke der Welt und die Sendung einer fortschreitenden Entwicklung, die das Gesetz der Menschheit ist.

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"EUROPA ist der Hebel der Welt."
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Viertausend Jahre verstrichen, seitdem der erste Strahl der Kultur in Griechenland von den Felsen des Kaukasus erschien. Es war ein bleicher, unsicherer Strahl, der im Finstern zitterte. Der von Prometheus entführte Funke war so schwach, dass er mit ihm zum Tode verurteilt schien. Aber das Geschlecht der Titanen, das gegen das asiatische Geschick ankämpfte, verewigte sich. Der europäische Keim, der von den Hellenen erzogen wurde, entwickelte sich riesenhaft. Heute überstrahlt er Europa; jener Strahl ist zur Sonne der Kultur geworden, und es gibt keinen Josua, der ihr Einhalt gebieten könnte. Seitdem die Menschheit in einem Winkel Griechenlands tätig wurde, zeigte jedes Zeitalter der Geschichte, jedes Jahrhundert die Tätigkeit der zwei Prinzipien, auf die sich unsere Religion gründet.
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Die Menschheit geht auf dem Wege des Fortschritts.

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"Die Menschheit geht auf dem Wege des FORTSCHRITTS."
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Jede Stufe des Fortschrittes wurde durch Vereinigung erobert; und andererseits wurde keine Stufe des Fortschrittes erobert, die nicht einen Weg eröffnet oder einen Vorteil zur Vereinigung der Völker gebracht hätte.
Heute sind die Theorien des unbegrenzten Fortschrittes und der Vereinigung Europas  -  ursprünglich eine Zeitlang Besitz weniger, die die Gelehrtenschar Utopisten taufte  -  fast zum Volksglauben geworden in Frankreich, wo die Enttäuschungen und die Schuld noch nicht so groß sind, um die Initiative der europäischen Kultur zu nehmen. Seitdem Christus den Grundstein zur Vereinigung legte, indem er dem Menschen das Prinzip der Gleichheit offenbarte, ohne die eine Vereinigung nicht möglich ist, seitdem die Buchdruckerkunst ein allgemeines Band schuf und allen denen  -  die in sich die Heiligung zu einer Mission der sozialen Entwicklung fühlten  -  erlaubte, ihre individuellen Anstrengungen zu einen und eine große sittliche Einheit in alles Materielle zu prägen, das sie bei der Hand hatten, wuchs die Tendenz zur Vereinigung, das Sehnen nach der europäischen Verbrüderung offenkundig und unaufhaltsam. Die Französische Revolution erhob sie zum Gesetz, zum politischen Prinzip.[…]

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"Die Französische Revolution erhob sie zum GESETZ."
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Die Völker verbrüderten sich zuerst im Hasse, dann in der Liebe; und während die Fürsten, die in dem beengenden Vorgefühl einer Liga der freien Menschen einen Bund der Schande schlossen, um die Versuche zu bekämpfen, schlossen auch die Völker den ihren.
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Die Losung war Freiheit; und als Paris jenes Wort auf seine Fahne schrieb, indem es sie hoch erhob, damit ganz Europa sie sehe, fühlte ganz Europa die Notwendigkeit, sich um sie zu scharen. Ganz Europa gärte in einer neuen Macht, und die freien Männer begriffen, dass sie sich die Hand reichen müssten, um stark zu sein. Die europäischen Nationen kommen eine nach der anderen zum Versammlungsort, wie Reisende, um ihre Namen einzuschreiben. [...]

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"Die Losung war ..........................................................................
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...................................................................... war FREIHEIT."
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Und die Menschheit ersteht glänzend, immer mächtiger an neuen Hilfsmitteln, indem sie immer neue Völker auf ihrem Wege aufnimmt, immer mehr Erde in Europa erobert und nach Asien vorzudringen beginnt.
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Es wird schön sein, am Ende des großen Tages wie der Wanderer einen Blick auf den zurückgelegten Weg zu werfen; heute stehen wir auf der Bresche, sind von der Notwendigkeit der Zeit und der Ereignisse bedrängt und haben die Lanze in der Faust. Man muss kämpfen, man muss siegen, man muss entscheiden, ob die Kultur vor wenigen Menschen innehalten soll, ob die Verbrüderung der Völker eine lllusion oder das einzige Mittel zu unserem Siege ist.

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